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Transalp Himmelfahrt Juni 2009

 

 

Unsere diesjährige Alpenüberquerung mit dem Namen HIMMELFAHRT sollte über Schneeberg,

Eisjöchl und Le Crosette führen. Wir alle konnten es nicht erwarten endlich von unserem Alltag

losgelassen zu werden und nahmen aktuelle Schneelage, Gewitterneigung und Katastrophenalarm

wegen Überschwemmungen und sintflutartigen Regenfällen nicht ernst.

Wir – das sind 6 Mütter: Sigi und Gundi (Sportlehrerinnen aus Bad Ischl), Martina und

Gabi (Friseurmeisterin und Friseurin aus Bad Ischl), Marion (Bankangestellte) und ich.

Alle mit Renngeschichte (oder sogar noch Rennambitionen bei den Jüngeren) starteten wir an einem

herrlichen Freitag um 9:00 in Sterzing. Übers Ridnauntal vorbei am Bergwerksstollen gings hinauf

bis zur Moarerberg Alm, wo man unbedingt einkehren sollte. Ab nun hieß es Tragen und Schieben

und bis zum Abzweig vom Bergwerksstollen hatten wir auch noch viel Spaß. Plötzlich zogen Wolken

auf und innerhalb von 10 Minuten war ein Gewitter aufgetaucht. Ein riesiges Schneefeld überraschte

uns auf den letzten 200 HM. Wir verloren den Weg und standen mit unseren Bikeschuhen mitten in der

Pampas. Jetzt mussten wir ein steiles Schneefeld queren, da wir am gegenüberliegenden Hang den

richtigen Weg wieder erkannten. Auch das war trotz unserer guten Kondition eine besondere

Herausforderung – im steilen Gelände mit diesen klapprigen Schuhen und den Rucksack und das Radl

hinten am Rücken. Martina und Gabi, unsere zwei Schnellen, rutschten aus und schlitterten ein Stück das

Schneefeld runter. Uns stockte der Atem, denn den Blödsinn wollten wir genau nicht machen.

Wir haben alle Kinder zu Hause. Als die zwei oben auf der Scharte angekommen waren, gab es plötzlich

einen Schrei und in einem Höllentempo stürzte ein Rad 200 HM ab. Nun waren wir anderen endgültig gelähmt.

Wir hatten keine Ahnung, was passiert war und wollten sofort alles abbrechen. Plötzlich stürmten Martina und

Gabi den Berg runter, schnappten das abgestürzte Bike und begannen wieder den Aufstieg. Sie riefen uns zu,

dass wir uns wegen des Gewitters beeilen sollten und wir uns dann in der Hütte wieder treffen. Mit wackeligen

Beinen setzten auch wir 4 den Weg fort und erreichten schließlich alle den Gipfel. Der Abstieg zur Schneeberghütte

war dann eine leichte Angelegenheit, wir rutschten einfach das Schneefeld runter.

Gabis Rad war kompletter Schrott – aber sie hatte in der Zwischenzeit schon ein Leihrad für den

nächsten Tag in Meran gebucht. Wir reparierten das Bike so gut es ging, damit man

wenigstens Schritttempo rollen konnte und wollten uns dann in Meran treffen. Die Tour wurde umgeplant, auf das

Eisjöchl hatten wir sowieso keine Lust mehr. Anscheinend hing dort nach Auskunft des sehr hilfsbereiten Hüttenwirts

vom Schneeberghauswww.schneeberghaus.org noch eine

Wechte drin.

Von Meran gings rauf auf das Vigiljoch über 1.600 – so als Nachmittagsbeschäftigung. Um 18:00 Uhr wussten wir 

auch was wir getan hatten. Wir übernachteten im freundlichen Jocher (www.jocher.it).

Der nächste Tag begann atemberaubend, den Höhenweg entlang oberhalb vom Ultental. Stundenlang

genossen wir die Morgensonne auf den genussvollen Trails bevor wir uns ins Ultental stürzten.

Nach dem Mittagessen am Zoggler Stausee wartete die nächste gemütliche Steigung hinauf zur Spitzalm,

wo eine lustige Sennerin mit ihrer Familie und ihre Freunde schon auf uns warteten. Die machten Augen,

als statt 6 Mountainbiker jetzt 6 Bikerinnen einkehrten. Unsre Badischlerinnen waren nicht genug ausgelastet

an diesem Tag und genossen den Abend auch noch in vollen Zügen bei Tanz und Gesang!!!!

Naja – 3 (Marion, Gabi und Martina) mussten am nächsten Tag den Heimweg antreten, die Arbeit wartete.

Und sie wählten einen anfangs hervorragenden Trail, der sich dann wieder in ein Abenteuer verwandelte.

Sie mussten nochmals viele Höhenmeter durch unwegsames Gelände aufsteigen, um die letzten

Kilometer – mit glühenden Bremsen – nach Meran hinunter rollen zu können. Wieder eine

atem(be)raubende Angelegenheit. Aber auf sie wartete ja nur mehr der Zug.

Sigi, Gundi und ich genossen den Vormittag auf dem Singletrail entlang der Gampenalm rüber zum

Brezner Joch. Er war zwar etwas langwierig, aber die Ankunft am Clozner Jöchl und dann der Ausblick

auf den Lago di Clees waren eine mehr als ausreichende Entschädigung dafür. Übernachtet wurde am

Lago di Tovel: Diese Albergo war den Weg eigentlich nicht wert, aber wir lachten viel wegen des Kellners

und freuten uns auf den vorletzten Tag.

Rauf zum Le Crosette auf über 2.440 HM führte der Weg zuerst durch eine herrliche Landschaft

entlang eines Flavona-Baches. Nach der Malga di Flavona wurde der Weg richtig alpin und wir

konnten das  Rad nur mehr schieben und tragen. Weitere Schneefelder mussten gequert

werden, auch dieses Mal verloren wir den Weg, den wir aber wieder rechtzeitig fanden.

Die Brenta ist landschaftlich ein Hammer. Die Sinnhaftigkeit, das Radl 4-5 Stunden raufzutragen. kann

man sicher anzweifeln, ich jedenfalls hab es nicht bereut – denn so konnte ich den nächsten Tag

mit dem Rad zumindest runterfahren. Sigi stellte den vorletzten Tag schon in Frage, aber spätestens

am Gipfel waren die Strapazen verflogen und wir lachten schon wieder. Das Rifugiu Graffer www.graffer.com (2.261m) ist eine moderne Hütte und wird sicher sehr

wirtschaftlich geführt. Wir sind perfekt verpflegt worden und konnten uns gut erholen.

Leider der letzte Tag – ich hätte noch tagelang weiterfahren können, denn dieses Mal war ich nicht so

ausgepowert wie vor 2 Jahren. Der Tag startete mit einem supercoolen Downhill ins Val d´Angola und

dieser war jeden Meter wert. Wir glaubten der Passo Bende´l Ors sei der letzte Anstieg – da warteten

aber noch viele HM auf uns. Wir fuhren den Rio d´Angola raus und nach Stenico weiter

ins Val di Limasol.

Nachdem die Mücken uns als Nachmittagsjause im wahrsten Sinne des Wortes verspeist hatten, quälten

wir uns die letzten Höhenmeter rauf aufs Rif. San Pietro (976m) und freuten uns auf das letzte Wegerl

runter zum LAGO. Das forderte nochmals alles von uns ab, denn das wäre ganz lustig gewesen wenn

wir frisch und ohne Rucksack mit 150mm Federweg runterfahren hätten können. Aber so war es eine

wahre Herausforderung.

 

Es war eine super Tour – wir hatten keine Verletzungen oder schwere Stürze – dafür herrliches Wetter, jede

Menge gute Laune und spitze Sprüche und am meisten lachten wir über uns selber.

Ich fuhr mit dem besten Material: die aktuelle Version Specialized S-Works Epic (mit 200 km drauf),

Helm Specialized S-Works 2D, Brille Specialized Shifty, Schuhe Specialized Pro WMn,

Hose Specialized Pro SL, Rucksack Vaude Roomy 23+3, Jacke Vaude Lake Jacket und

Regenhose Spray Pants.Es hat alles perfekt gepasst, nur in der Pampas wären schwere

Bergschuhe nötig gewesen. Aber nur dort!

Weil mein Bike so leicht ist, hab ich für uns alle das Werkzeug und die Ersatzteile eingepackt. Meine

Sattelstütze hab ich nie reingetan, doch das nächste Mal würd ich mir einen Schnellspanner montieren

(da bin ich ja wieder ein Jahr älter – und klüger).

 

Zwar kenne ich schon wirklich viele Berge in den Alpen, jedoch fallen mir für nächstes Jahr bestimmt

wieder ein paar neue ein. Vor allem das Eisjöchl muss noch abgehakt werden. Gundi hat mir in ihrem

letzten SMS geschrieben: „Willkommen daheim – mir hats voll getaugt – nur noch 51 Wochen

bis zum nächsten Mal!!!!!!“

Also wenn ihr nächstes Jahr 6 Frauen im Juli über die Alpen zischen seht: Das könnten wir sein!!!!

 

PS: für alle KM-Rechner – HM-Zähler – Stunden-Schreiber…

Es war mir zu mühsam das so genau zu protokollieren. Aber es waren meist zwischen 1900 und 1400 HM

pro Tag, wir sind täglich um 8:00 aus der Hütte – haben meistens Mittag gegessen und sind

zwischen 16:00 und 18:00 angekommen.

Die genauen Zahlen sind mir wurscht – wir haben was gemacht und es hat uns Spaß gemacht.

Circa Gesamthöhenmeter 9.500, 400 km, und ca. 40 Stunden.